Die Geschichte des Schwimmens

Schmetterling

Das Schmetterlingsschwimmen entwickelte sich aus dem Brustschwimmen. Ein Amerikaner namens Brydenthal zeigte 1935 in einem Vergleichswettkampf diese Technik. Er war zwar hier noch nicht schneller als die besten Brustschwimmer, aber diese Stilart weitete sich sehr schnell aus und nach drei Jahren wurde der Brustschwimmweltrekord bereits von einem schmetternden Schwimmer gehalten. Nach dem 2. Weltkrieg dominierten die Schmetterlingsschwimmer (Delphin-Arme mit Brust-Beinschlag) vor den Brustschwimmern, so dass das Brustschwimmen unterzugehen drohte. 1953 trennte dann die FINA diese beiden Schwimmarten.
Die grundlegendste Änderung im Schmetterlingsschwimmen betraf die Beinarbeit. Bereits bei den olympischen Spielen 1956 in Melbourne wurde ein amerikanischer "Delphinschwimmer" mit großem Vorsprung Sieger. Er schwamm mit schlangenartigen geschlossenen Beinen. Die Technik ist bis auf verhältnismäßig kleine Änderungen bis heute gleich geblieben.
Vor wenigen Jahren wurden die Wettkampfregeln von Delphinschwimmern zum Schmetterlingsschwimmen geändert, so dass der Brust-Beinschlag, der zwischenzeitlich verboten war, wieder zugelassen wurde. Diese Schmetterlingstechnik hat sich aber nicht mehr durchgesetzt. Seit den olympischen Spielen 1956 in Melbourne wird die 200 m Strecke als olympische Disziplin geschwommen. Die 100 m Strecke kam erst 1963 in Mexiko-City dazu.

Rücken

Im 19. Jahrhundert wurde das Rückenschwimmen als eine Abart des Brustschwimmens bezeichnet, nämlich als Brustschwimmen rückwärts.
Durch ein sehr starkes Hohlkreuz lag der Körper sehr hoch auf dem Wasser, der Kopf wurde so weit zurückgenommen, das nur noch der Mund und die Nase herausschauten und die Beinarbeit war die gleiche wie beim Brustschwimmen. Die Arme wurden von der Ausgangsstellung (Händen an den Oberschenkeln) über den Kopf auf Schulterhöhe gezogen, ins Wasser getaucht und vollkommen gestreckt wieder in die Ausgangsstellung gebracht. Der Beinschlag erfolgte teilweise gleichzeitig oder hintereinander. Erst bei den olympischen Spielen 1912 in Stockholm schwamm der erste Amerikaner einen Wechselzug mit einem Beinschlag, der dem Beinschlag in der Kriechstosstechnik ähnelte. Nachdem er sich die Goldmedaille sicherte, verschwand sehr schnell die herkömmliche Technik, die neue Technik wurde verbessert und ist jetzt in etwa gleich schnell wie die Schmetterlingstechnik.
Die 200 m Rückendisziplin war erstmals 1900 in Paris im olympischen Programm, dann allerdings erst wieder seit 1964 (Tokio). Die 100m Disziplin wird seit 1908 (London) ausgetragen.

Brust

Das Brustschwimmen ist vom Bewegungsablauf her gesehen die natürlichste Schwimmart. Ende des l8. Jahrhunderts wurde die Behauptung aufgestellt, dass der menschliche Körper spezifisch leichter sei als das Wasser, man müsse lediglich den Kopf oben halten. Aus diesem Kerngedanken entwickelte sich die Brustschwimmtechnik, wobei anfangs die Arme nicht abgewinkelt und die Knie möglichst weit an den Körper gezogen wurden. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurden im Lehrbuch "Ladebecks Schwimmschule" verschiedene Brustschwimmtechniken gelehrt. Hier wurde unter anderem versucht, mit möglichst wenig Zügen, unter Einhaltung sehr langer Gleitphasen, eine möglichst weite Strecke zurückzulegen.
Im Laufe der Entwicklung dieses Jahrhunderts wurde langsam aus der Stoßgrätsche die Schwunggrätsche, ein kürzerer Armzug, die Spätatmung usw. herausgebildet. Genauso wie die Technik wurden auch die Regeln oftmals geändert. Anfangs wurde neben der geschwommenen Zeit auch noch die Ausübung der Technik bewertet. Hierbei waren die Regeln so streng, dass es laufend zu Protesten kam. Das Kinn durfte nicht bewegt werden und alle paarweise durchgeführten Bewegungen, mussten genau symmetrisch ausgeführt werden.
Erst die Amerikaner schafften es durch ihre negative Haltung, dass diese Regeln in den sechziger Jahren geändert wurden. Die erste Überquerung des Ärmelkanals wurde 1875 in der Brustschwimmtechnik durchgeführt. 1908 wurde in London das Brustschwimmen erstmals als olympische Disziplin über 200 m in das Programm aufgenommen. 1912 kam im Stockholm die 400 m Strecke hinzu, die aber nur noch einmal 1920 in Antwerpen geschwommen wurde. Seit 1963 ist auch die 100 m Strecke olympische Disziplin (Mexiko-City).

Kraul

Das Kraulschwimmen ist die schnellste Schwimmart überhaupt und es verwundert deshalb nicht, dass bereits in der Antike eine kraulähnliche Technik benutzt wurde, nämlich die Wechselschlagtechnik und die Kriechstoßtechnik. Die Entwicklung der Kraultechnik hat aber mehrere Ursachen. Als Grundlage dürfte die Seitenschwimmtechnik, eine Brustschwimmtechnik in Seitenlage, dienen. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde diese Stilart weiterentwickelt, indem ein Arm über Wasser vorgeschoben wurde. Mit dieser damals schnellsten Stilart wurden die ersten Langstreckenmeisterschaften ausgetragen (z. B. über 1 englische Meile = 1.609 m). Ende des 19. Jahrhunderts wurde daraus der Handüberhandstil entwickelt, wobei hier beide Arme wechselweise über dem Wasser vorgeschoben und die Beine von ehemals schraubenartigen Bewegungen zu einem Wechselschlag geändert wurden. Dieser scherenstoßartige Beinschlag wurde aber nur beim Durchziehen des linken Armes unter Wasser benutzt.

Als Weiterentwicklung kann man die Kriechstoßtechnik bezeichnen. Diese wurde um die Jahrhundertwende eingeführt, nachdem sie von Eingeborenen der Salomon-Inseln abgeschaut wurde. Der wesentliche Unterschied zur Handüberhandtechnik liegt darin, dass hier die Arme stärker abgewinkelt sind und eine wesentlich schnellere und kürzere Bewegung vollziehen. Gleichzeitig wird hier erstmals ein Wechselschlag der Beine laufend durchgeführt, wobei hier die Oberschenkel vollkommen gestreckt blieben. Diese Technik entwickelte sich durch Stilkorrekturen immer weiter, bis der jetzige Kraulstil erreicht wurde. Zwischenzeitlich wurden noch verschiedene Varianten z. B. der 2er Beinschlag der australischen Schwimmer, ausprobiert. Erst 1930 wurde vom DSV der Oberbegriff Kraulschwimmen eingeführt, die anderen Techniken wurden auf Grund der Überlegenheit der Kraultechnik verdrängt.

Die wohl bedeutendste Leistung im Schwimmsport war die Unterschreitung der Minutengrenze am 9.7.1922 durch Johnny Weißmüller. In Deutschland wurde diese Grenze erstmals 1934 unterschritten und zum zweitenmal erst 1952.

Die Kraultechnik bzw. das Freistilschwimmen wie es offiziell heißt, ist seit 1896 (Athen) im olympischen Programm (100 m). 1900 wurde in Paris die 200 m Strecke zugelassen, die allerdings nur mehr 1904 in St. Louis und dann ab 1968 (Mexiko-City) fest im Programm etabliert wurde. Die 400 m Strecke wird seit 1904 und die 1.500 m Strecke seit 1908 (London) bei den olympischen Spielen geschwommen.